Vila Algarve in Maputo

Matthias Gößmann: Ver Fall Portugal

Die Vila Algarve in Maputo gehört zu den eindrücklichsten Erinnerungsorten des kolonialen Mosambiks. Das Gebäude, 1934 errichtet und später Sitz der portugiesischen Geheimpolizei PIDE/DGS, steht bis heute als stummer Zeuge politischer Verfolgung, Folter und Einschüchterung. Seine verblassten Azulejos, die bröckelnden Fassaden und die Spuren des jahrzehntelangen Verfalls tragen die Schichten einer Geschichte, die sich nicht vollständig zum Schweigen bringen lässt.

 

Gleichzeitig besitzt die Ruine einen hohen dokumentarischen Wert: Sie zeigt, wie eng architektonische Schönheit und historische Gewalt miteinander verwoben sein können. Heute ist die Vila Algarve ein Ort, an dem Vergangenheit sichtbar bleibt – nicht museal aufbereitet, sondern unmittelbar, rau und unverfälscht. Für fotografische Arbeiten entsteht dadurch eine seltene Atmosphäre: ein Raum zwischen Erinnerung und Gegenwart, in dem die Spuren der Geschichte ebenso präsent sind wie die leise Alltagsrealität, die sich um das verlassene Gebäude gelegt hat.

José Craveirinha war ein mosambikanischer Dichter.

Als Kind eines portugiesischen Vaters und einer afrikanischen Mutter aus der Ronga-Ethnie wuchs Craveirinha in der Sprache und Kultur Portugals auf.

Wegen seiner Mitgliedschaft in einer Zelle der FRELIMO, der Mosambikanischen Befreiungsfront, wurde er vom Geheimdienst PIDE des faschistischen portugiesischen Regimes von 1965 bis 1969 in Einzelhaft in der berüchtigten Vila Algarve gehalten. Als die FRELIMO 1974 an die Macht kam, wurde Craveirinha aus dem Gefängnis befreit und zum Vizedirektor der nationalen Presse ernannt.

 

„Vila Algarve (1ª versão, 1988)" — gekürzte Fassung, sinngemäße  Deutsche Übersetzung:

Das Privileg des Mauerwerks

fügt sich den Schweigsamen.

Man sprach von dir,

oder es ging in der Stadt das Gerücht

von Flucht.

Dein wachendes Tor

und ich – wir sind noch da.

Doch ein typisches Zittern

wenn ich die klassischen Fliesen sehe –

das sind meine Knie, die sprechen.

Vierundzwanzig Jahrhunderte gestorben

in ein paar Dutzend Stunden aufrecht:

Dank deines Ungehorsams draußen

brauchte man nicht zu schreiben,

dass José Craveirinha geflohen sei.

Ich schulde dir, Maria,

im Epilog der Panik,

dass ich schweigen konnte,

ohne mich als Wurm zu fühlen.

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